
Digitale Produktpässe: Was sie für Ihre Lieferkette bedeuten
Der Digitale Produktpass (DPP) ist eine der weitreichendsten Produktanforderungen aus dem EU Green Deal. Für Hersteller, Importeure und Händler entstehen damit Pflichten rund um Datenerfassung, Datenspeicherung und Datenweitergabe, die direkt in die Architektur digitaler Systeme eingreifen. Es geht nicht um eine neue Berichtspflicht, die in eine Excel-Tabelle passt. Es geht um Infrastruktur.
Was ein Digitaler Produktpass enthält
Der DPP ist ein maschinenlesbarer, standardisierter Datensatz, der einem Produkt über seinen gesamten Lebenszyklus folgt. Die Kerninhalte umfassen:
- Materialien und Komponenten: Welche Stoffe sind verbaut? Welche Teile sind reparierbar oder recyclingfähig? Relevant für Kreislaufwirtschaft und Reparierbarkeit
- CO2-Fußabdruck über den Lebenszyklus: Von der Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung, nicht als einmalige Schätzung, sondern als dynamischer Datenpunkt
- Zertifizierungen und Konformitätserklärungen: Alle relevanten Nachweise, abrufbar und verifizierbar
- Wartungs- und Reparaturanleitungen: Maschinenlesbar und für autorisierte Parteien zugänglich
- End-of-Life-Handling: Informationen zur sachgerechten Entsorgung und Demontage
Das Format ist EU-weit standardisiert und muss über einen digitalen Zugriffspunkt abrufbar sein, typischerweise über einen QR-Code oder einen RFID-Tag am Produkt.
Technische Anforderungen für Unternehmen
Der DPP ist keine statische Exportdatei. Er stellt konkrete technische Anforderungen:
- Standardisiertes, auffindares Datenformat: Die Daten müssen in einem Format vorliegen, das automatisch ausgelesen werden kann
- Dataspace-Anbindung: In vielen Ökosystemkontexten, insbesondere Catena-X, erfolgt der Austausch über standardisierte Konnektoren mit Policy-Durchsetzung
- Aktualisierungspflicht über den gesamten Lebenszyklus: Der Pass ist kein einmaliger Export, sondern muss bei Reparaturen, Komponentenwechseln oder neuen Zertifizierungen aktualisiert werden
- Differenzierte Zugriffsrechte: Regulatoren sehen andere Daten als Endkonsumenten, Recycler oder Lieferantenpartner. Die Zugriffskontrolle muss das abbilden
{
"productId": "urn:example:product:12345",
"passportVersion": "1.0",
"carbonFootprint": {
"value": 4.7,
"unit": "kg CO2e",
"lifecycle": "cradle-to-gate"
},
"materials": [
{ "name": "Recycled Aluminium", "percentage": 62 },
{ "name": "Borosilicate Glass", "percentage": 18 }
],
"accessControl": {
"public": ["productName", "carbonFootprint"],
"regulator": ["materials", "certifications"],
"recycler": ["dismantlingGuide", "hazardousSubstances"]
}
}
Warum das wichtig ist
Digitale Produktpässe werden für verschiedene Produktkategorien zwischen 2026 und 2030 verpflichtend. Batterien sind bereits geregelt, Textilien und Elektronik folgen. Unternehmen, die die dafür notwendige Dateninfrastruktur jetzt aufbauen, vermeiden Last-Minute-Compliance-Sprints unter Zeitdruck. Ich arbeite täglich in diesem Bereich, unter anderem im Catena-X-Ökosystem. Bei Fragen zur technischen Umsetzung stehe ich gerne für ein erstes Gespräch zur Verfügung.